Auszüge des Protokollbuchs der Theelacht zu Norden seit 1754

Protocollum Resolutionum angefangen im Jahre 1754

von mir Christian Eberhard Wenckebach J.U.D.

und K.P.Rath, auch der Wohllöbl. Thehl=Communio vieljährigen Consulenten

 und Mitglied da Theelachter waren

Ulben Dircks

Willem Jacobs Ufen

Berend Jibben

Bojung Onnen

Zusammengestellt für diese Homepage von Theelachter und Syndicus Heiko Campen

 

 


Actum in der Versammlung der Erb-Bauren Dt. 20. Juny 1792

In der heutigen Versammlung stellte der Theel-Bothe Hinrich Rolefs vor, daß er wegen seines hohen Alters seine gegenwärtigen Bothen- Dienste nicht so recht mehr wahrnehmen könnte, und daher wünschte, daß seines Bruders Sohn, Berend Jannssen, der ihm auch schon seit einiger Zeit adsistirt hätte, ihm, cum spe succidenti, adjungirt werden mögte. Er bat demnach, in Betracht er seinen Dienst bisher mit aller Treue und Fleiß wahrgenommen, ihm sein Gesuch, allenfalls nach vorgängiger Stimmen-Sammlung, zu gewähren. Es wurde hierauf über dieses Gesuch die Vota gesammelt, und sämmtliche gegenwärtige Erb-Bauern stimmten dahin, daß dem Hinrich Roleffs sein Gesuch gewillfahrt werden solle, gleichermaßem solches nochmahls durch ihre Nahmens-Unterschriften bekräftigen.

 


Actum Norden in der Theelachts-Versammlung Dt. 18. Octbr. 1793

Würde bei Gelegenheit der heutigen Abrechnungs-Ablegung sämtlicher Theelachter für gut gefunden und beschlossen durch Mehrheit der Stimmen, dass zum Gedenken der vorigen, gegenwärtigen und zukünftigen Theelachter eine Tafel, auf die Art, wie die auf der Krämer-Gilde ­Kammer an jetzt vorhanden ist, angefertigt, und worauf alle Namen der Theelachter seit 1600 bis jetzt aufgezeichnet werden sollten, und zwar auf Kosten der Theelacht.

 
 
Norden auf der Theelkammer Dt. 22. Dec. 1804

Bei der jetzigen Versammlung stellten die H. Theelachter vor, daß ihnen geweigert worden wäre, während die Ausgebung der Theelen warmes Bier trinken zu mögen. Sämtliche Anwesenden fanden diese Weigerung unbillig, indem sie wegen ihre Geschäfte bey Tische die Zeit nicht nehmen dürften sich am Feuer zu setzen. Es wurde daher kein Bedenken gefunden, den Theelachtern diesen kleinen Vorzug zu erlauben, und wurde diese resolution zum Urkunde von den anwesenden Erbbauern unterschrieben

 
 
 
 
Norden auf der Theelkammer Dt. 25. Octbr. 1805

Wie am heutigen Tage bey Abnahme der Theelachts Rechnung des bereits unter Dt. 12. Aug. 1801 bey der damaligen Rechnungs-Ablegung von den Theelachtern und anwesenden Erbbauern beschlossene Lagerbuch, dessen Anfertigung dem Schullehrer Hicken aufgetragen worden, von demselben vorgeleget wurde, fand man solches dem vorgesetzten Endzwecke gemäß Eingerichtet, und da dieses Lagerbuch bey Durchsicht desselben zu erkennen gab, daß der Schullehrer Hikken viele Mühe und Fleiß darauf verwandt hatte, so fanden anwesende Erbbauern sich verpflichtet, diese beschwerliche Arbeit dem Schullehrer Hikken durch ein angemessenes Honorarium zu Vergüten, solches wurde einstimmig auf fünfzig Reichsthaler Preuß. Court. vestgesetzt. Der Schullehrer Hikken war damit völlig zufrieden und wurde sodann d. Herrn Theelachtern autorisiert, diese 50 Rthlr. an denselben auszuzahlen und demnächst diese Ausgabe in jedem Buche mit 6 1/4 Rthlr. mittelst Quittung in Rechnung zu bringen.

 
 

Norden in der Theelachts-Versammlung zur Abnahme der vierjährigen Rechnung dt. 26. July 1821

Nachdem die Rechnungen gehörig abgenommnen waren stellte die Hl. Theelachter vor, daß es für sie sehr beschwerlich sey, wenn verschiedene Interessenten sich angewöhnten, ihre Theelen an den zur Auszahlung bestimmten Tagen, nicht abzuholen oder abholen lassen, und dann nach her beliebig in ihre Häuser kommen, die Theelen in empfang zu nehmen, aher denn der Beschluß gefaßt wurde, daß von nun an jeder Interessent gehalten seyn soll, seine Theelen an den bestimmten Tagen auf der Theelkammer in Empfang zu nehmen, oder falls jemand verhindert werden möchte, seine Theelen selbst im empfang nehmen zu können, alsdann jemand anders in loco zum Empfang bevollmächtigen; und um die Verfahrens Ordnung wieder einzuführen, so hat man als Straffe vestgesetzt, daß derjenige, welcher vier Jahre lang seine Theelen nicht selbst in empfang nimmt, oder nehmen läßt, für diese vier Jahre seine Theelen verliehren und selbige an die Theelachts Casse verfallen sollen.

 

Ferner stellten die HL Theelachter vor, daß das ihnen zugedachte Gehalt von 7 fl. 5 stbr. für jedes Buch so niedrig gesetzt sey, daß es gar nicht der Arbeit angemessen sey, daher sie denn wünschten, daß das Gehalt von jetzt an verdoppelt werden möchte, indem dieses mehr mit dem Zeitgeist stimmte und die Arbeit einigermaßen dadurch bezahlt werde. Die anwesenden Interessenten fanden diesen Vortrag nicht unbillig und willigten in ihren Vorschlag, daß künftig statt 7 1/2 Gulden 15 Gulden Gehalt in Ausgabe gebracht werden könnte. Blos protistirte d. H. B. RR. Ufen gegen diesen sonst einhelligen Beschluß, und verlangte, daß es beim alten bleiben sollte. Weiter war nichts vorgetragen, und wurde dies Protocoll geschlossen.

 
 

Sodann zeigte der Syndicus der Versammlung an, 18 Juli 1833

 

1.) daß die Herren Theelachter sich aus freyen Stücken Erklährt hätten, auf die Gehalts Erhöhung, welche ihnen laut Beschlus vom 26. July 1821 zugebilligt worden, verzichten und künftig nicht mehr als im Theelrechte bestimmte Gehälter = 7 fl 5 Stbr in jedes Buch berechnen wollten.,

 

2.) daß die Gebrüder Ulbens den Prozeß wider die Theelacht gewonnen hätten, so daß diese als Erbbauern angenommen, und ihnen ohne Zinsen diesen Herbst pl. m. 500 fl aus der Theel Casse ausbezahlt werden müssen. Wie viel Kosten dieser Prozeß verursacht habe, dieses würden Anwesende in den Rechnungen aufgelistet finden. ieser Prozeß gereicht der Theelacht nicht allein Augenblicklich zum großen Schaden, sondern kann auch für die Folge für die Theelacht sehr zum Schaden kommen, indem mehr dergleichen Ansprüche zu erwarten stehen, und auf diese Art das herrliche durch Alter, über 1000 Jahr bestehende Institut so gefährlich werden kann, daß nach Verlauf von einigen Jahren durch gar zu große Zersplitterung der Theelen, so zu sagen die Sache ganz zu Grunde gehen könnte, welches doch ewig Schade seyn würde.

 

Um dieses nun nach Möglichkeit vorzubeugen, hat der Cammer- Consulent der Königlichen Landdrostey vorgeschlagen, unser altes Theelrecht, welches viele Mängel hat und den jetzigen Zeitgeist nicht mehr angepaßt, von neuem revidiren und vom Landesherrn bestätigen zu lassen. Herr Stürenburg bringt dazu unsern Amtmann Suur als bekannten Patriot und Alterthumsfreund in Vorschlag, und da ich glaube, daß HLAmtsmann Suur der rechte Mann für dieses Geschäft seyn würde, so wird es der Gesellschaft anheimgestellt, ob sie beschließen wolle, daß das jetzt bestehende Theelrecht umgearbeitet, die vielen Mängel daraus entfernt, und HL Amtmann Suur dadrum ersucht werden soll, die Arbeit zu übernehmen?

 
Abschrift.

Wenn sich die hiesige Theelacht auch gerne Einverstanden damit erklährt, daß es zweckmäßig sey, die Theelkammer mit einer Decke unter dem Boden zu versehen, indem dadurch ein weit schöneres Ansehen beschafft werden wird, und aus ihrer Casse zu Bestreitung der desfälligen Kosten zehn Reichsthaler PCt. freigeben will, jedoch ohne Consequenz hinsichtlich künftiger Übernahme von Reparaturkosten; so glaubt die Theelacht, da die Theelkammer jetzt zu mehreren Zwecken in Gebrauch genommen wird, bey erwarten zu müssen, daß Sie in ihren alten Rechten hinsichtlich des Gebrauchs dieser Theelkammer ja nicht gestöhret, und sie vor allen andern stets und allezeit den Vorzug behalten, so oft wie die Theelacht es für nöthig findet, von der erwähnten Stube einen unbeschränkten Gebrauch zu machen: und wird der Herr Bürgermeister Conerus gehorsamst gebeten, diese Information den betreffenden Leuten beilegen zu wollen.

 
Norden, Dt. 20. Decbr. 1836
 
 
 
 
 

Actum Norden in der Theelkammer unterm Rathhause den 4ten July 1838

Nachdem zur Abnahmne der 4jährigen Theelachts-Rchnungen, als auch der Rechnung des verstorbenen Theelachters B. M. Ufen, durch den Theelachtsbothen, nach alter Gewohnheit, aus jedem Buche zwey Erbbauern eingelahden waren, legten die Theelachter ihre Bücher den Erbbauern vor, und da die Anwesenden selbige beym nachsehen richtig fanden, so wurden die betreffenden Bücher gehörig quittirt und die Theelachter für gute Verwaltung belobet.

 
Sodann wurde vom Syndicus angezeigt, daß

1.) der Theelachter B. M. Ufen mit Tode abgegangen sey, und an dessen Stelle ein neuer Theelachter gewählt werden müßte, die Gesellschaft also zu bestimmen habe, an welchem Tage diese Wahl stattfinden soll.

2.) Wurde ein Schreiben d. HL Wenckebach zu Hooksiel vorgelesen, worin Interessenten der Theelacht aufgefordert werden, ein Jubelfest zu veranstalten, indem es 950 Jahre waren, daß unsere Vorfahren den berühmten Sieg über die Dänen od. Normänner erfochten hatten, als woraus uns das Vorrecht der Theelen erworben sey u. s. w. die Versammlung wurde daher anheim gegeben, ob sie auf desen Vorschlag eingehen wolle oder nicht., Der Syndicus erlaubte sich zu bemerken, daß nach seiner Ansicht es als unzeizig anzusehen sey, wenn schon jetzt ein Jubiläum veranstaltet werden sollte, und es passender seyn werde, wenn wir dieses unseren Nachkommen alsdann überließen, wenn diese das Glück hätten, in ihrem Rechte zu bleiben, daß die 1000 Jahr erreicht wurden. Ein anderes würde es seyn, wenn unsere Vorfahren alle 50 Jahre ein Jubiläum gefeyert hätten, da dieses aber nicht geschehen, so glaube er, daß wir es beim alten müßten bewenden lassen.

 

Darauf wurde beschlossen, daß die Wahl eines neuen Theelachters auf nächsten Mittwoch den 11. July vorgenommen werden sollte.

Sodann daß der Vorschlag des Hl. Wenckebach keinen Anmklang finden wollte, zumal man glaubte, daß es als unzeitig erscheinen würde, wenn schon jetzt ein Jubelfest sollte veranstaltet werden, und zwar aus nichtigen Gründen.

Ein mehreres war nicht zu verhandeln, und wurde dieses Protocoll unterschrieben.

 
 
 

Außerordentliche Theelachtsversammlung Norden in der Theelkammer 18. Jun. 1867

Nachdem von Seiten der Stadt bezw. des Bürgermeisters Taaks zu Norden bei Austheilung der Herbsttheelen die Theelacht dadurch in ihrem Rechte zu nahe getreten ist, daß auf seine Anordnung die Theelkammer, während der beiden Wochen, wo sie stets, wie auch im Frühjahr, zum alleinigen unbehinderten Gebrauch der Theelacht disponible gewesen, zu anderen Zwecken in Anspruch genommen und durch die Bürgerwehr ohne Genehmigung der Theelachter des Abends als Aufenthaltsort für die Nacht besetzt ist, sind die betreffenden Erbbauern auf gehörige althergebrachte Weise zusammenberufen, um zu berathen, wie dem Verfahren des Bürgermeisters Taaks zu begegnen sei.

 

Um sich in ihren alten Rechten hinsichtlich eines unbeschränkten Gebrauchs der Theelkammer zu ihren Zwecken fernerhin nicht störenlassen zu brauchen, faßten die unterzeichneten Erbbauern den einhelligen Beschluß, den Magistrat der Stadt Norden wegen vorgefallenen Eingriffs in unsere Rechte gerichtlich zu beklagen und beauftragen und bevollmächtigen sie hierdurch die Theelachter, einen Prozeß deswegen anzustellen und, wenn nöthig, in allen Instanzen durchzuführen und die Kosten aus der Theelachtscasse zu bestreiten, auch wenn dieser Prozeß nicht günstig ausfallen sollte.

 

 
Verhandelt Norden in der Theelkammer den 21. September 1892

Infolge Ablebens des Theelboten Joh. U. Janssen war auf heute eine Versammlung zur Wahl eines neuen Boten durch den unterzeichnenen Syndicus einberufen und nach gehörig erfolgter Einladung die unterzeichneten Theelachter und Erbbauern erschienen.

 

Nachdem die Versammlung eröffnet und der Zweck derselben nochmals bekannt gegeben worden, meldete sich zu dem vacanten Posten Louis Arens aus Norden. Dieser wurde mit den Rechten und Pflichten eines Theelboten bekannt gemacht und ihm insbesondere das Nötige aus den Wahlprotocollen vom 15. Novbr. 1781, 15. Juni 1855 und 9. Juni 1863 eröffnet.

 

Hierauf wurde zur Wahl geschritten und der Louis Ahrens einstiummig zum Theelboten erwählt. Derselbe nahm die Wahl dankend an und wurde darauf durch den Syndicus mittelst Handschlag pflichtbar gemacht und in seinen Dienst eingeführt.

 

Sodann genehmigte die Versammlung die vom Ausschuß beschlossene Anschaffung zweier neuer Hängelampen und die Aushängung einer Warnungstafel an der Zimmerthür während Ausgabe der Theelen, daß Unberechtigten ihr Eintritt in die Theelkammer verboten sei.

 

Mehr war nicht zu verhandeln und wurde das Protocoll nach Vorlesung und Genehmigung geschlossen und wie folgt unterschrieben.

 

Geschehen Norden im Hause des Theelachters J. Ufen am 23. Mai 1894

In der heute berufenen Ausschußsitzung der Theelacht waren erschienen 1, die Theelachter Niederhoff & Ufen 2. die Ausschußmitglieder C. Frerichs & U. Ufen von hier

 

Auf der Tagesordnung steht ein Antrag des Ausstellungscommissionsmitgliedes für Alterthümer Weinhändlers Rykena um Herreichen der der Theelacht gehörichen Utensilien, zum Zweck der in Juni und Juli ds. J. in hiesiger Stadt vorbereiteten Gewerbeausstellung.

 

Es wurde einstimmig beschlossen, dem gestellten Antrag Statt zu geben und der mitunterz. Syndicus

 

Verhandelt Norden in der Theelkammer unter dem alten Rathhause den 27. Juni 1901

In der heutigen ordnungsmäßig berufenen Versammlung zur Abnahme der vierjährigen Theelachtsrechnung hatten sich die unterschriebenen Theelachter und Erbbauern dahier eingefunden.

 

Nachdem der Theelachtssyndicus die Versammlung eröffnet wurden die von den Theelachtern pro 1897, 1898, 1899 u. 1900 gelegten Rechnungen, welche von den anwesenden Mitgliedern der Commission geprüft und zu Erinnerungen keine Veranlassung gegeben hatten, vorgelegt, und da sich aus der Versammlungen kein Widerspruch dagegen erhob, unterschrieben und für rite abgenommen erklärt, auch den Theelachtern Niederhoff, Ufen und Oldewurtel Seitens der Erbbauern dankend Entlastung ertheilt.

Der Syndicus legte hierauf das von ihm aufgestellte Bestandsverzeichniß des Vermögens der Theelacht sowie die von ihm verwahrten Forderungs-Documente der ausstehenden Capitalien vor. Seitens der

 

Revisions-Commission wurde das Verzeichniß geprüft, mit den Urkunden verglichen und richtig erklärt.

 

Sodann berichtete der Syndicus, daß das Recht der Theelacht auf ausschließliche Benutzung der Theelkammer im August 1897 definitiv in das Grundbuch von Norden eingetragen, die Eintragung der Abgaben vom Fischer'schen Heerde aber bislang nicht möglich gewesen sei, weil der Grundbuchrichter die s. Z. beantragte Titelberichtigung abgelehnt habe.

Versammlung beschloß, die Eintragung der nicht im Grundbuch eingetragenen ev. deren Abtragung anzustreben, und beauftragten den Syndicus, sich dieserhalb mit den Eigenthümern der ber. Grundstükke in Verbindung zu setzen.

 

Der von dem Theelachter Niederhoff gestellte Antrag auf Anbringung einer Windfangthür auf dem Vorplatz zur Theelkammer während der Austheilung der Theelen und der sonstigen Versammlungen der Theelacht fand einstimmige Annahme.

 

 

Verhandelt zu Norden in der Theelkammer unter dem alten Rathause am 26. Okt. 1925

 

Zu einer außerordentlichen Versammlung hatten die Theelachter sämtliche Erbbauern des Kreises Norden zu einer Besprechung über nachfolgende Tagesordnung durch den Ostfr. Kurier eingeladen.

Tagesordnung:        1. Wahl eines Syndicus

2. Besprechung über die Wahl eines Theelachters

für die Hofer und Trimser Theelen 3. Aufwertung betreffend 4. Sonstiges.

Vor Eingang in die Tagesordnung weist Theelachter Fleeth auf die schlechten Verhältnisse hin, in welchen die Theelacht durch den Krieg wie auch durch die Inflation geraten ist und führte ungefähr folgendes aus:

 

Den größten Teil unserer Capitalien haben wir durch den Verfall unserer Währung verloren. Die Erbpachten sind seit Jahren nicht mehr bezahlt, bez. hatte die Zahlung ihren Wert verloren. Durch das Gesetz der Aufwertung werden wir später einen Teil unserer Einnahmen wieder erlangebn. Vorläufig stehen wir vor einem Nichts. Wir Theelachter haben uns lange Zeit bemüht, die alten Gepflogenheiten aufrecht zu erhalten. Das Erste, was in Fortfall kommen mußte war unsere langen Tonpfeifen. Man las in der üblichen Theelachtspuplikation "De Piep mutt jeder sülst mitbrengen". Dann fingen wir an, bei den Theelausgaben ein kleineres Quantum Bier u. Tabak auszugeben. Wir Theelachter nußten auf unsere Klippe Bier, welche uns bei jeder Ausgabe seit undenklichen Zeiten ins Haus gebracht wurde, verzichten. So ging es weiter, bis wir dahin gekommen sind, wo wir uns heute befinden mit leeren Taschen. Da wir meines Erachtens aber diese Sitzung nicht beschließen können, ohne "Sprakwater" vor uns zu haben, habe ich mir erlaubt, Bier auf meine Rechnung zu bestellen und wolle die Versammlung erörtern, ob ich die Unkosten auslegen soll um später in Rechnung zu stellen, oder ob jeder sein Teil selbst bezahlen soll. Ein Vorschußkonto werden wir wohl einrichten müssen, weil auch Heizung und Licht bezahlt werden muß. Jedenfalls darf uns nichts davon abhalten, alles anzuwenden, um die alten Überlieferungen unseren Nachkommen, sowohl wie unserer Vaterstadt, zu erhalten. Ich eröffne hiermit die Versammlung und bitte Sie, sich zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf "Upp Theelachtswohlfart!"

 

Vermerk:

Nach 1928 folgte eine wirtschaftlich schwere Zeit, die durch den Newyorker Börsenkrach ausgelöst wurde und in Deutschland eine kaum vorstellbare Arbeitslosigkeit nach sich zog. Die Theelacht stand damals fast vor dem Zusammenbruch, aber es gab mehrere Theelachter und Arfburen, die sich - auch unter Einsatz privater Gelder - sehr und letztlich mit Erfolg für den Erhalt dieser alten Gemeinschaft einsetzten:

 

Theelachter Johannes R. Fleeth, Theelachter Hinrikus Ufen, Arfbur Dr. Dieke Noosten sowie Arfbur Redelf Folkerts.

 

Wäre es nach der Auffassung des damaligen Amtsgerichts Berum gegangen, so hätte die Theelacht nicht überlebt. Eine entscheidende Wende trat erst ein, nachdem 1932 das Amtsgericht Berum aufgelöst und dessen Bezirk mit dem des Amtsgerichts Norden zusammengelegt worden war. In Norden bestand viel Verständnis für die Traditionen und das überlieferte Brauchtum der Theelacht, der Alten Bürgerlande und der Gesellschaft vom Leegemoor.

Dennoch vergingen noch mehrere Jahre, bis die Theelacht ihre Arfburen wieder zur Herbstausgabe aufrufen konnte: Es war eben zuviel aufzuarbeiten gewesen.

 

Im Dezember 1935 endlich konnten die Arfburen sich nach alter Tradition in der Theelkammer versammeln. Dabei ging es zunächst einmal darum, festzustellen, welche Eintragungen zu berichtigen waren, denn inzwischen waren viele Arfburen verstorben und ihre Nachkommen mußten ermittelt werden, um sie zum Antasten zu veranlassen. Zum anderen sollte endlich die 1000-Jahr­Feier nachgeholt werden, die eigentlich schon längst hätte stattfinden müssen. und ein Termin dafür war festzulegen.

 

In der Theelkammer herrschte damals reger Betrieb: Arfburen, Pelsburen und Koopburen nicht nur aus Norden und Umgebung, sondern

 

auch von weit her waren dem Ruf, nach Norden zu kommen und ihre Rechte geltend zu machen, gefolgt. Als Termin für die 1000-Jahr- Feier wurde der 31. Oktober 1936 festgelegt. Leider ist das im Protokollbuch nicht festgehalten worden, aber in der Heimatbeilage "Heim und Herd" des "Ostfriesischen Kurier" (Nr. 257/1935) wurde der folgende ausführliche Bericht veröffentlicht:

 

 
Die Norder Theelacht bleibt erhalten

Durch erfolgreiche Prozesse wurde sie finanziell wieder gesichert.

 

Alle de Arfbuhren, de bearft sünd in de understaande Theelen, de kamen tosamen des Middags de Klocke 12 Uehren, allhie under dat olle Rathhus in de Theelkamer un empfangen hör Geld, een jeder Arfbuhr sülfst na older Gewohnheit

 

Viele Jahrzehnte hindurch erschien bis zu Beginn de Weltkrieges alljährlich in den ersten Dezembertagen im "Ostfriesischen Kurier" die vorstehende Einladung, der die Theelbauern in hellen Scharen Folge leisteten, da die Abrechnungsversammlungen der Theelacht nicht minder beliebt waren als jene der Leegemoorsgesellschaft oder der "Alte Bürger Lande" . Durch die Inflationszeit und die nach der Stabilisierung lange Zeit bestehende Unklarheit bezüglich der Aufwertung der Erbpachten war die Theelacht in dem letzten 20 Jahren praktisch lahmgelegt, so daß lange Zeit mit Recht befürchtet werden mußte, diese sicherlich schon über 1000 Jahre alte und damit älteste derartige Einrichtung in Deutschland würde nunmehr von der Bildfläche verschwinden.

 

Erfreulicherweise können wir unseren an allen heimatlichen Dingen von jeher stark hängenden Lesern heute mitteilen, daß diese Gefahr nunmehr gebannt ist und uns damit auch der "dritte und glänzendste goldene Stern (Sporenrad?) im Norder Stadtwappen" - wie der verstorbene Gutsbesitzer Theodor van Hülst die Theelacht einmal in einer Rede bei einem Leegemoorsschmus nannte - erhalten bleibt.

Das Vermögen der Theelachts-Interessentenschaft bestand in Theelheuern, Grundheuern oder Erbpachten, die auf insgesamt

2147 Diemate sogenannte "Theenslande" eingetragen waren. Diese Ländereien liegen vornehmlich im östlichen Teil des Kreises Norden. (Die Ortsbezeichnung Theener hängtz zweifellos auch mit "Theel" zusammen.)

Vor dem Kriege waren bereits von einem Teil der Landwirte die Theellasten abgelöst und das Geld von den Theelachtern nach früheren Begriffen sicher angelegt worden. Naturgemäß sind jene Gelder durch die Inflation größtenteils verlorengegangen, ebenso bzw. teilweise in noch stärkerem Maße die Werte jener Ablösungen, die in der Inflationszeit erfolgten.

 

Immerhin hat die Theelacht auch heute noch grundbuchmäßigen Anspruch auf sehr beträchtliche Erbpachten,

um deren Aufwertung von den Theelachtern lange Zeit hindurch erbittert gekämpft wurde. Zuerst bestanden gewisse Schwierigkeiten beim Amtsgericht. Später wurde die Theelacht jedoch als juristische Persönlichkeit anerkannt, so daß sie in der Lage war, einige Aufwertungsprozesse zur Klarstellung der Rechtslage zu führen. Diese haben ergeben, daß die Grundheuern der Theelacht 100 prozentig aufwerten sind, so daß damit ihre Zukunft gesichert ist und damit gerechnet werden kann, daß diese altehrwürdige Einrichtung in absehbarer Zeit finanziell wieder flott wird. Sobald dieser Zustand eingetreten ist, werden die alten Bräuche in der früheren Weise wieder aufgenommen und die jährlichen Zusammenkünfte altem Brauch gemäß in der "Theelkammer" unter dem alten Rathaus erfolgen.

Um möglichst bald die Theelachts-Interessenten einmal wieder zusammen zu bekommen und um dafür zu sorgen, daß nach der langen Pause wieder die Bücher und die Frage der Anrechte in Ordnung gebracht und geklärt werden - zweifellos müssen viele "Arfbuhren antasten" -, wäre es
vielleicht zweckmäßig, über kurz oder lang einmal eine Zusammenkunft der Theelachter mit allen Arf= und Koopburen einzuberufen.

Bei dieser Gelegenheit könnten dann die Theelachter nähere Ausführungen über die gegenwärtige Rechtslage machen und dazu vielleicht auch noch irgendwelche Sachverständigen zuziehen.

An Theelanteilen sind insgesamt 1827 vorhanden. Die belasteten Lande gliedern sich in 8 verschiedene Teile, "Theelen" genannt, wovon je 2 einem Theelachter zur Verwaltung überwiesen sind. Seit undenklichen Zeiten sind die Theelen wie folgt zusammengefaßt:

Theelen:                                Zeitige Theelachter

Ekeler Theel und Linteler Theel Hotelbesitzer Johs. Fleeth Osthofer Theel und Eber Theel   Klempnermeister Hinrikus Ufen Neegroder Theel und Gaster Theel Landwirt Albrecht Ulferts

Trimser Theel und Hofer Theel    Landwirt Ulfert Ulferts

Bezüglich des Ursprungs der Theelacht geht die Sage, daß die Einwohner des Norderlandes zum Andenken an die im Jahre 888 nach Christi zwischen den Friesen und den Normannen bei Norden stattgefundenen Schlacht die "Theenslande" als gemeinsamen Besitz hätten liegen lassen. Nach einer anderen Lesart handelt es sich bei der Theelacht um eine Polderinteressentenschaft aus uralter Zeit. Wahrscheinlich hat diese zweite Lesart den meisten Anspruch auf Richtigkeit.

 

Die Theelachtsstatuten gelten als ungeschriebenes Gewohnheitsrecht aus unvordenklicher Zeit. Unter den jedesmaliogen Regenten erfreute sich dise uralte ostfriesische Unteressentenschaft des Landesherrlichen Schutzes. Aus den ältesten Zeiten sind die Gewohnheitsstatuten der Norder Theelacht unversehrt bis auf uns gekommen. Schon wegen ihres hohen Alters verdient sie bewahrt, geschützt, unterstüzt und gefördert zu werden. Im neuen Dritten Reich wird auch ihr wieder die Sonne scheinen. ds.

 

Im "Ostfriesischen Kurier" Nr. 285/1935 vom 06. 12. 1935 erschien der folgende Bericht über die Zusammenkunft der Arfburen und und Koopburen zur ersten Herbstausgabe nach den Wirren der Inflation:

Am Montag dieser Woche herrschte im alten Rathaus am Norder Marktplatz Hochbetrieb. In der alten Theelkammer wurde geschummelt.

"Nanu!" sagten die Vorübergehenden: "Was ist denn hier los?"

 

Die Antwort war leicht gegeben. Endlich ist unsere Norder Theelacht in ihrem Bestande wieder so gesichert, daß sie von neuem ihre Urväter-Gewohnheiten und Bräuche aufnehmen kann. In der Woche vor Weihnachten werden nach Jahrhunderte alter Gewohnheit "all de bearft Buren, de bearft sünnt", zusammentreten, um sich nach mehr als 20jähriger Unterbrechung bei ihren Theelachtern zu melden und ihre Rechte geltend zu machen. Viele Veränderungen sind inzwischen eingetreten und eine große Anzahl jüngster Söhne werden "up Vaders Nam antasten" müssen. Auch Umnschreibungen von "Koopburen" müssen erfolgen, damit die Theelachter einen Überblick darüber gewinnen können, welchen Verpflichtungen sie in Zukunft nachzukommen haben.

 

Wie ging es nun der Theelacht in den beiden letzten Jahrzehnten:

 

in den Kriegsjahren, der tollen Inflationszeit, der allem Hergebrachten feindlichen Systemeit und schließlich in den beiden letzten Jahren der Wiedergeburt des deutschen Vaterlandes?

 

Der Treuhänder der Theelacht, der von 1924 bis 1928 das wracke Schiff allein als bevollmächtigter Treuhänder zu steuern hatte, der Theelachter Johannes Fleeth, steht gern Rede und Antwort:

 

Wir haben mit unserer altehrwürdigen Norder Theelacht schwere Jahre durchlebt und manchmal schien es, als ob es uns nicht gelingen würde, sie am Leben zu erhalten. Seit 1000 Jahren ist sie mit der Geschichte unserer engeren Norder Heimat aufs engste verwachsen und bildet zusammen mit der (keegemoor-Gesellschaft und den Altenburger Landen ein unvergleichliches Dreigestirn, dem in deutschen Landen kaum ähnlich Ehrwürdiges an die Seite zu stellen ist.

 

Durch die Inflationszeit verloren wir unser Barvermögen und unsere Pachteinkünfte haben keinen Wert mehr. So mußten wir schweren Herzens unsere alten Sitten und Gebräuche, die auch schon durch den Weltkrieg stark in Mittleidenschaft gezogen waren, ganz eimschlafen lassen. Wir waren zu arm. Die Regierung der Systemzeit, die keinen Sinn für alte Überlieferungen hatte, half tatkräftig mit,
unser schwindendes Ansehen völlig zu Grunde zu richten und zwar dadurch, daß sie
eine größere Anzahl aus altem, ostfriesischem Fürstenbesitz stammenden und durch Friedrich den Großen auf den preußischen Staat übernommenen Theelanteile am 28. Juli 1923 im "Deutschen Haus" öffentlich versteigern ließ.

 

Es fanden sich damals einige Idealisten, die den Glauben an Deutschlands Zukunft noch nicht verloren hatten und für 10 000, 30 000 oder 50 000 RM. 20, 30 oder 40 Theelanteile kauften, deren Besitz früher ein besonderer Stolz unseres ostfrieischen Herrscherhauses gewesen war. Dadurch wurden alle alten Bande zerrissen, die die Theelacht Jahrhunderte hindurch mit der Regierung verknüpften.

Die damaligen Herren haben jedoch die Zähigkeit der Ostfriesen unterschätzt, die auf manches verzichten können, wenn es nicht anders geht, niemals jedoch auf das Recht eines alten Erbes, noch dazu eines solchen, das der Sage nach ihre Urahnen mit dem Schwerte erkämpften!"

 

"Sie denken an die sagenhafte Normannenschlacht?"

 

"Jawohl!" antwortet der Theelachter. "In unsem Theelachtsbuch von Wenckebach heißt es darüber in einer Eingabe am dem osfriesischen Grafen Georg Christian vom 3. August 1660, daß ein großes Normannenheer im Jahre 884 n. Chr. in der Nähe von Norden von den Ostfriesen völlig vernichtet worden sei. 10377 Mann sollen damals auf der Walstatt totgeschlagen sein. Ein Teil des Landes so um Norden gelegen und dazu ein großer Teil des Anwachses, vor allem in der Gegen von Theener (Deiche gab es noch nicht), blieb den Siegern als Beute. Unsere Vorfahren behielten ihren Anteil als Gemeinschaftsbesitz und sorgten durch ein festgeregeltes Erbrecht dafür, daß er Nießbrauch des Landes ihren Familien bis auf den heutigen Tag erhalten blieb."

"Es gibt also besondere Regeln oder Gesetze, nach denen sich ihr Erbrecht vollzieht?"

"Ganz recht! Im Jahre 1535 hat Hektor Friedrich von Wicht das Theelrecht in 28 Artikeln zusammengefaßt und diese sind uns verschiedentlich von den ostfriesischen Grafen bestätigt worden, zuletzt von Georg Christian, dessen Originalschreiben sich noch heute im Besitz der Theelacht befindet. Es lautet:

 

Der Hochgebohre Graff und Herr, Herr Georg Christian, Graff und Herr zu Ostfrießland, Herr zu Esens, Stedesdorf und Wittmund, gibt denen sämtbtlichen beerbeten Theelbaueren, auf ihr
unterthänig beschehenes suppliciren belangend die Confirmationem ihrer wegen der Theellanden hergebrachten Rechten diesen Bescheidt, daß seine Hochgräffl. Gnaden die sämtliche Interessenten der Theellanden bey ihren wohlhergebrachten Consuetudinibus, und deren würcklicher Observantz gleich von Dero hochlöbl. Vorfahren beschehen, Obrigkeitlich schützen und manuteniren wollen. Uhrkundlich unter Ihrer Hochgräffl. Gnaden aufgedruckten Cantzley-Secret. Gegeben auf Dero Hauß Aurich den 19. Febr. 1661."

 

"Welche alten Gewohnheiten und Gebräuche sind denn nun mit der Theelacht und vor allem der Theelkammer verbunden?"

 

"Alles bei uns geht seinen seit Jahrhunderten festgelegten Gang. Nichts wird geändert und nichts von unseren Ueberlieferungen preisgegeben. Wie unsere Vorfahren aus hölzernen Bechern ihr dunkles Bier (früher kam es aus Hamburg) tranken, das aus großen Holzkannen eingeschenkt wird, so wurde es von einer Generation zur anderen beibehalten. Wenn auf der Theelkammer etwas vorzutragen ist, schlägt der Theelachter mit einem langen Holz auf den Tisch, damit Ruhe eintritt. Die plattdeutsche Sprache herrscht bei uns. Weil es keine Garderobenhaken gibt, "holt elk sien Mütz up Kop." Keiner darf mit einem Stock in der Hand die Theelkammer betreten: "De Stock hört bi d' Dör!" (in eine Mauernische an der Wand). Ebenso wie bei der Leegemoor-Gesellschaft wird aus langen Tonpfeifen geraucht usw.

 

Die Theelachter haben sich nach Ausbruch des Weltkrieges nach Kräften bemüht, die alten Gepflogenheiten aufrecht zu erhalten, aber vergebens! Durch den Verfall der Währung waren Einnahmen und Ausgaben nicht mer miteinander in Einklang zu bringen. Zunächst versuchten wir durch Einschränkung der Ausgaben das Gleichgewicht wieder herzustellen. Man las in den üblichen "Kurier"-Anzeien: "De Piep mut elk sük sülst mitbrängen." Das Bier wurde zugeteilt, und Torf hatten wir nicht mehr, so daß im Jahre 1921 unser Herdfeuer erlosch.

 

1923 versuchten wir, durch freiwillige Spenden der Erbbauern einen Betrag zusammenzubringen, um die Theelkammer einmal wieder gründlich zu reinigen. 300 000 Mark kamen zusammen, und doch war es nichts! Die Theelacht verwaiste immer mehr. Kurz nacheinander starben unser Syndicus van Freeden, die Theelachter Johs. Ufen und Ludwig Oldewurtel sowie unser Theelbote Louis Ahrends.

 

Am 15. Mai 1924 fand eine Ausschußsitzung statt, in der beschlossen wurde, die freiwerdenden Stellen künftig nicht wieder zu besetzen, sondern die Wahrnehmung aller Geschäfte dem Theelachter Fleeth zu übertragen. Ich berief dann am 26. Oktober 1925 eine Versammlung ein, in der Auktionator Lübbo Brandenburg als Syndicus und Jan Steils als Theelbote gewählt wurden. Die Versammlung beauftragte den neuen Syndicus zusammen mit mir, die Aufwertung unserer Erbpachten und Kapitalien in die Wege zu leiten. Neue Sitzungen sollten erst wieder abgehalten werden, wenn die Geldverhältnisse etwas geregelt seien. Das war leichter gesagt wie getan, denn die Landwirte, die Theelerbpachten auf ihren Ländereien hatten, wollten naturgemäß die alte Pacht nicht voll weiterbezahlen, und ein Vorschlag der Theelacht, sich auf 50 Prozent Aufwertung zu einigen, schlug fehl. So blieb uns nur der Klageweg offen, um zu unserem Recht zu kommen."

 
"Ging es denn damit einigermaßen glatt?"
 

"Leider nein! Nun kamen die Schwierigkeiten erst recht, denn das Gericht sprach der Theelacht das Korporationsrecht ab, und lange Jahre arbeiteten und kämpften wir nur, um zu beweisen, daß wir das Recht zu Klagen hatten. Schließlich kamen aus der alten Theelachtstruhe Akten aus vorigen Jahrhunderten ans Tageslicht, die Zeugnis ablegten von mehreren Prozessen des Fiskus gegen die Theelacht, der Theelacht gegen den Magistrat der Stadt Norden usw. Nach langem Hin und Her verhalf uns Rechtsanwalt Dr. Gieseke dazu, den Prozeß zu Gunsten der Theelacht zu entscheiden. Die alten Erbpachten wurden, soweit sie noch bestanden und nicht abgelöst waren, mit durchschnittlich 75 Prozent aufgewertet. Die Urteilssprüche erfolgten 1933 und 1934, also zu
einer Zeit, als schon ein neuer Geist die deutsche Rechtsprechung erfüllte." "Damit steht die Theelacht nun also wieder fest auf eigenen Füßen?"

"Gottlob ja! Unsere Einnahmen sind so, daß wir in vollem Umfange unsere alten Gewohnheiten und Bräuche wieder aufnehmen können und auch in der Lage sind, Auszahlungen für jeden Theelachtsanteil, wenn auch natürlich nicht in der alten Höhe, zu leisten. Wir werden in der nächsten Woche nach alter Gewohnheit unsere "Arf- und Kopburen" auffordern, 8 Tage vor Weihnachten auf die Theelkammer zu kommen, um Ordnung in unseren Büchern zu schaffen, die seit 21 Jahren mehr oder weniger verwaist sind.

Im Jahre 1927 wurde die Theelkammer von noch vorhandenen Geldern der Theelacht mit einem Zuschuß des Norder Magistrats gründlich instand gesetzt. Im Jahre 1928 bedingte der Prozeß die Vollbesetzung der 8 Theelbücher mit 4 Theelachtern. In einer Versammlung wurden daher für die Verstorbenen Nachfolger gewählt, so daß heute folgende Theelachter im Amt sind:

 

Ekeler und Linteler Theel: J. Fleeth Osthover und Eber Theel: H. Ufen Trimser und Hofer Theel: U. Ulferts Neugroder und Gaster Theel: A. Ulferts

 
Theelachter-Syndicus ist Auktionator L. Brandenburg
 

Wir suchen jetzt einen neuen Theelboten, und wenn am Mittwoch und Freitag vor Weihnachten die erste Aufbauarbeit in der Theelkammer geleistet ist, soll im Frühjahr eine große Abrechnung stattfinden. Der übliche Schmus wird mittags die Arbeit beschließen und am Abend des gleichen Tages möchten wirdie Wiedergeburt und das 1000 jährige Bestehen der alten Norder Theelacht in größerem Rahmen würdig begehen.

 

Wenn es der Theelacht jetzt wieder möglich ist, ganz auf altem Recht aufzubauen, so hat sie das ihrer uralten Ueberlieferung zu verdanken, einer Ueberlieferung, die für die Erbberechtigten zwar keine großen Geldgewinne einbringt, dafür dürfen sie aber für sich in Anspruch nehmen, Hüter eines der ältesten, vielleicht: des ältesten deutschen Bauernrechts zu sein, dessen Ursprung sich im sagenhaften Dunkel der Vergangenheit verliert."

 
Diedr. Gerhard Soltau.
 

Hinweis:

Nach dem 12. Juni 1940 fanden keine Zusammenkünfte der Theelacht mehr statt, da der Zweite Weltkrieg sich mehr und mehr ausweitete und die wehrfähigen Männer nach und nach fast alle eingezogen worden waren. Nur wenige Männer in schwer austauschbaren Schlüsselpositionen blieben zunächst an ihren Plätzen, aber auch diese mußten im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges in irgendeiner Form Wehrdienst leisten. Lediglich Schwerbeschädigte und stark körperbehinderte Männer blieben ausgenommen.

Erst fast fünf Jahre nachdem der Zweite Weltkrieg am 08.Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen war, lebte auch die Theelacht zu Norden wieder auf: Zur "Herbstausgabe" 1949 wurden die Arfburen nach alter Gewohnheit in die Theelkammer gerufen.

Viel war zu ergänzen oder zu berichtigen in den acht Theelbüchern, aber man war froh, daß auch nach diesem Kriege die Theelacht weiter bestehen geblieben war, wenngleich auch diesmal wieder allerlei Schwierigkeiten überwunden werden mußten.

Dazu gehörte insbesondere die "Währungsreform" vom 20. Juni 1948, bei der anstelle der wertlos gewordenen Reichsmark die "Deutsche Mark" als neue Währung eingeführt wurde. Die Umstellung der bisher geführten Konten auf die neue Währung führte wiederum zu Veränderungen im finanziellen Bereich, doch wurden auch die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten gemeistert.


 

 

Das Protokollbuch enthält leider darüber nichts. Erst unter dem 01.03.1950 wurde über die Ehrung des Theelachters R. Fleeth sr. folgende Niederschrift aufgenommen:

 

   

V e r h a n d e l t    N o r d e n, 1 4. J u n i  1 9 5 0

 i n  d e r  T h e e l k a m m e r  i m  a l t e n R a t h a u s

 

Auf Einladung der Theelachter A l b r e c h t und U l f e r t U l f e r t s fanden sich am 14. 6. 1950 um 1/2 4 Uhr in der Theelkammer folgende Arfburen ein, um des 50-jährigen Jubiläums des Theelachters J o h a n n e s R. F l e e t h festlich zu gedenken:

Die Festversammlung wurde um '/24 Uhr von Theelachter A l - b r e c h t U l f e r t s eröffnet und bei einem Becher Theelbier das Eintreffen des Jubilars erwartet. -

Nachdem A l b r e c h t U l f e r t s den Jubilar mit dem Wagen aus seiner Wohnung abgeholt hatte, erhoben sich die Anwesenden bei seinem Eintreffen. -

Theelachter A l b r e c h t U l f e r t s gedachte sodann in warmen Worten der 50-jährigen Tätigkeit des Jubilars als Theelachter. Er führte u. a. aus, daß ohne die nie erlahmende Tätigkeit des Seniors die Theelacht heute wohl nicht mehr bestehen würde, nachdem zwei Kriege und zwei Inflationen an den Fundamenten der Theelacht gerüttelt hätten. Nur dem unermüdlichen Wirken des Jubilars sei es zu verdanken, dass wir heute in der Lage seien, das Jubiläum in der Form, wie J o h a n n e s F l e e t h es verdient hätte, zu begehen. Die Versammelten ehrten daraufhin den Jubilar durch Erheben von den Plätzen und mit einem kräftigen Schluck Theelbier "Up Theelachts Wolfahrt". -

Theelachter A l b r e c h t U l f e r t s übergab dem Jubilar sodann ein Geldgeschenk der Theelacht und für die Theelachter und Ausschussmitglieder einen Lebensmitelkorb.

Theelachter und Syndicus J o h a n n e s R. F l e e t h brachte im weiteren Verlauf des Nachmittags in bewegten Worten al¬len Anwesenden seinen Dank für die Ehrungen zum Ausdruck und gab in launiger Art Eindrücke aus seiner nunmehr 50-jährigen Tätigkeit als Theelachter zum Besten. Er gedachte dabei auch der Koopburen, die bei den Theelausgaben immer gern gesehen seien. -

Landrat F i s c h e r überbrachte die Glückwünsche des Kreises und Bürgermeister D r. S c h ö n e b e r g die Grüsse der Stadt Norden. -

Kcos,bur A u g u s t D r e e s e n dankte im Namen der anderen Koopburen für die Einladung und gab köstliche Proben seines Humors zum Besten.

Arfbur J o h a n n S a s s e n (Westermarsch) liess in längeren Ausführungen die Geschichte der tausendjährigen Theelacht lebendig werden und wies hin aus die überlieferung von Geschlecht zu Geschlecht, Aus seinen Worten klang nicht nur der Stol z auf di e einzigartige historische Einrichtung, sondern auch der Wille, sie nach Urväterart für alle Zukunft so zuerhalten, getreu dem Vorbild des Jubilars, der sich in dieser Hinsicht in den 50 Jahren seiner Tätigkeit unvergängliche Verdienste erworben habe.

Die Versammlung wurde um 20 Uhr von Theelachter A l b r e c h t U l f e r t s geschlossen.

 

 


 

 

G e s c h e h e n   N o r d e n, d e n 3 0. 6. 1 9 5 5

i n  d e r  T h e e l k a m m e r   u n t e r  d e m  a l t e n  R a t h a u s

 

Zu der auf heute Nachmittag 4 Uhr einberufenen Festsitzung anlässlich der 700-Jahrfeier der Stadt Norden hatten sich die unterzeichneten Theelachter und Erbbauern sowie Pelzbauern eingefunden.

Der älteste Theelachter   A l b r e c h t  U l f e r t s  eröffnete die Festsitzung und begrüsste die Erschienenen, insonderheit den Vertreter der Stadt Norden, Ratsherrn H a s b a r g e n, und die Vertreter der Heimatpresse und teilte mit, daß auch die sieben Söhne der Erbbauern, die sich für den grossen Festzug am 26./6. zu Verfügung gestellt hatten, zu dieser Sitzung eingeladen worden seien, um ihnen, den nachmaligen Erbbauern, ein lebendiges Bild unseres Wirkens im Sinne unserer Väter zu vermitteln. -

Theelachter U l f e r t U l f e r t s ist kranheitshalber nicht in der Lage, an der Sitzung teilzunehmen. Ihm galt der besondere Gruß der Versammlung.

Sodann nahm Theelachter F l e e t h das Wort und führte aus, dass die Theelkammer dank dem Entgegenkommen des Rates der Stadt Norden unter wesentlicher Beteiligung der Firmen O n n o B e h r e n d s und D o o r n k a a t AG. von Grund auf instandgesetzt worden sei und die Theelachter nach Anhörung des Ausschusses beschlossen hätten, anstelle der Torfecke Garderobenhaken an-zubringen und die vorderen Fenster mit einer einfachen, dem Charakter der Theelkammer entsprechenden Bleiverglasung zu versehen. Ausserdem wurden einige neue Binsenstühle beschafft. Die durchgeführten Arbeiten fanden allgemeinen Beifall.

Theelachter F l e e t h dankte sodann dem Arfburn D r. D i e k e N o o s t e n für seinen aufschlussreichen Aufsatz im Festbuch der Jahrhundertfeier und Studienrat U f k e C r e m e r für die freundlichen Worte, die er in seinem Buch  " N o r d e n  i m  W a n d e l  d e r   Z e i t e n " der Theelacht und dem verewigten Theelachter F l e e t s gewidmet hat.

Für den Posten des Theelachters für die Osthover und Eber Theelen hat sich Arfbur T h e o d o r  U b b e n  M ü l l e r ordnungsmässig gemeldet. Weitere Meldungen war nicht erfolgt. -

Theelachter F l e e t h machte Arfbur M ü l l e r auf den Beschluss vom 25. Juni 1952 aufmerksam, nach dem der Theelachter, der in einem der beiden Bücher nicht beerbt ist, sein Amt abgeben muss, sobald sich ein Erbbauer oder Pelzbauer für den Posten des Theelachters meldet, der in einem der beiden Bücher beerbt ist und ordnungsmässig gewählt worden ist. Ausserdem muss der neugewählte Theelachter die Kosten des anschließenden Essens tragen.

Arfbur M ü l l e r wurde daraufhin von den anwesenden Erbbauern einstimmig zum Theelachter für Osthover und Eber Theelen gewählt.

Theelachter  U l f e r t U l f e r t s  dankte Theelachter F l e e t h für die Mühe, der dieser sich bei der Wiederinstandsetzung der Theelkammer unterzogen hat.

 

 

N o r d e n,    d e n   2 1. 0 k t o b e r 1 9 6 8.

 

Am 18. Oktober 1968 wurde das Norder Alte Rathaus, in dem sich seit Jahrhunderten die Theelkammer befindet, von einer schweren Gasexplosion heimgesucht. Abends gegen 18.07 Uhr erfolgte die Explosion. Ausschußmitglied D r . N o o s t e n war in der Nähe des Alten Rathauses; er rief sofort Theelachter U l f e r t s an, der sogleich zur Theelkammer fuhr. Ausschußmitglied  F o l k e r t s war gerade vom Dienst im Kreishaus unterwegs zu seinem Wagen; er war schon vor 18.10 Uhr in der Theelkammer. Auch die Theelachter M ü l l e r und S e e b a waren schnell zur Stelle.

Die Theelkammer war gerade überholt und gründlich gereinigt worden, sie glänzte in schöner Pracht. Durch einen Gasrohrbruch, der - das ist später ermittelt worden - etwa gegen 17.00 Uhr sich ereignet hatte, war Gas durch das Erdreich und den gepflasterten Boden in den Keller gelangt. Hier entzündete es sich beim Anspringen der Ölheizung. Die Flamme der Explosion riß die Außentür des Kellers heraus, schlug weit über die Straße hinweg und setzte auch das aus einem Straßengulli strömende Gas in Brand. Außerdem entwich die Explosion durch den Keller unter der Hausmeisterwohnung, zerstörte diese, durchschlug den darüber liegenden Fußboden des Saales und richtete weitere Zerstörungen an. Fast alle Fenster an der Nordseite des Gebäudes waren herausgerissen oder zerschlagen. Aber von der Wohnung aus breitete sich eine Druckwelle auch in den Südteil des Gebäudes aus.

Die Türen zur Theelkammer wurden ausgehoben beziehungsweise zerbrochen. Das erste Fenster neben dem Eingang wurde ganz, das zweite halb zerbrochen.

Zum Hofe hin standen die Oberlichter offen; hier sind nur 2 Scheiben zerschlagen worden. In der Theelkammer lagen Splitter der Scheiben herum, eine Staubwolke machte sich breit. Größere weitere Schäden wurden aber nicht festgestellt bis auf kleinere Risse im Mauerwerk. Das war darauf zurückzuführen, daß die Zündung nicht unter der Theelkammer, sondern im danebenliegenden Keller erfolgte, und so die größte Wucht nicht die Theelkammer traf. F o l k e r t s sorgte sofort dafür, daß wertvolle Geräte der Theelacht gesichert wurden. Die Theelachter M ü l l er,  S e e b a und U l f e r t s wirkten nach ihrem Eintreffen dabei mit.

Eine zweite Explosion ereignete sich gegen 18.58 Uhr, diesmal im Keller unter der Theelkammer. Dabei wurde die im Pflaster vor dem Alten Rathaus liegende Eingangsluke herausgerissen. -

Das brachte Luft, so daß auch diesmal in der Theelkammer kein nennenswerter Schaden entstand. Verletzt waren bei der ersten Explosion der Hausmeister und seine Frau, bei der zweiten zwei Feuerwehrleute. Noch in der Nacht wurde von der Feuerwehr, den städtischen Arbeitskräften und dem Technischen Hilfswerk das Rathaus gesichert. Der Schaden an der Gasleitung ist ebenfalls sofort behoben worden.

Am Sonnabend, dem 19. Oktober 1968, begannen die Aufräumungsarbeiten. Aus Sicherheitsgründen wurden an diesem Tage die alten Schriften aus der Theelkammer entfernt. Die Theelbücher, die im eisernen Schrank sicher untergebracht waren, sind dort verblieben. An diesem Tage waren wiederum die Theelachter S e e b a und U l f e r t s sowie das geschäftsführende Ausschußmitglied F o l k e r t s anwesend. Sie überzeugten sich, daß für die Theelkammer und das Inventar der Theelacht keine Gefahr mehr bestand.

Am Montag, dem 21. Oktober 1968, begann die Stadt Norden mit der Instandsetzung des Alten Rathauses. Die Spuren der Zerstörung wurden beseitigt.

R u d o l f      F o l k e r t s, Ausschußmitglied.

 

N o r d e n, d e n 1 1. D e z e m b e r 1 9 7 0.

Die Theelbücher und sonstigen Unterlagen der Theelacht sind seit Anfang Dezember 1970 in einem feuer- und einbruchsicheren Geldschrank verwahrt, der im Keller des Alten Rathauses untergebracht wurde. Der Geldschrank diente bis Anfang 1970 der Raiffeisenbank in Marienhafe als Tresor; er wurde von der Firma Steinbömer & Lu-binus der Theelacht gestiftet. Der Transport von Marienhafe nach Norden wurde durch die Tiefbaufirma Tell ausgeführt; der Theelacht entstanden keine Kosten. Bei der Unterbringung im Rathauskeller wirkte das Bauamt der Stadt Norden mit, ebenfalls ohne Kosten für die Theelacht, und den neuen Anstrich besorgte kostenlos Malermeister Diedrich Krieger (Koopbur).

Im Jahre 1970 stellte das Niedersächsische Kultusministerium erstmals Mittel zur Instandsetzung der Theelbücher - 2.000,oo DM - zur Verfügung. Es ist ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der noch vorhandenen unersetzbaren Bücher getan, die zum Teil aus der Zeit um 1640 stammen.

R u d o l f     F o l k e r t s

Theelachter und Syndicus.

 

 

 

 N o r d e n, d e n 1 7. A P r i l  1 9 8 4

 
G r ü n d l i c h e  I n s t a n d s e t z u n g  
d e r  T h e e l k a m m e r  1 9 8 4
 
 
Für das Jubiläumsiahr 1984, in dem die Theelacht ihr 1100‑jähriges Bestehen feiern kann, war 1983 mit der Stadt Nor den vereinbart worden, daß die Theelkammer einen neuen Anstrich erhalten sollte. Kleinere Reparaturen an Wandputz und Decke waren eingeschlossen.
 
Die Arbeiten begannen am 9. Januar 1984. Es stellte sich sofort heraus, daß nicht nur der Wandputz viel schadhafter war als das
vermutet werden konnte, sondern daß auch die 1838/1839 eingezogene "gewalterte" (Lehm‑) Decke total morsch und zudem der alte Kamin baufällig war.
 
Es ist anzunehmen, daß die Schäden zum Teil darauf zurückzuführen sind, daß seit 1964 im Gebäude eine Heizung besteht und durch die stetige Wärmeeinwirkung trotz geringer Temperatur die Decke, der Wandputz und das Mauerwerk des Kamins ausgetrocknet waren.
 
Statt der ursprünglich vorgesehenen Schönheitsreparatur wurde eine gründliche Instandsetzung erforderlich:
 
Decke, Wandputz und Kamin mußten entfernt und von Grund auf erneuert werden, ebenso das "Innenleben" des Kamins mit den Stahlbauteilen.
 
Danach wurde der gesamte Raum vom Fußboden bis zur Decke neu gestrichen. Die alten Farbtöne blieben beibehalten, so daß das gewohnte Bild der Theelkammer unverändert blieb. Es ist zu hoffen, daß auf längere Sicht keine größeren Reparaturen anfallen werden. ‑
 
Die gesamte Instandsetzung dauerte fast drei Monate:
 
Am 6. April 1984 konnte die im neuen Glanz erstrahlende Theelkammer mit einem gemütlichen Beisammensein wieder in Benutzung genommen werden. Teilnehmer waren neben den Theelachtern und dem Theelachtsausschuß
 
Vertreter der Stadt Norden,
 
die Bauhandwerker der Stadt Norden, die die Arbeiten ausge­führt hatten,
 
der Vorstand des Heimatvereins, in dessen Räumen das Inventar vorübergehend untergebracht werden konnte,
 
die Museumswartin der Heimatvereins,
die Raumpflegerin der Theelkammer,
 
die Ehefrauen der Theelachter sowie der Theelbote.
 
Allen wurde der Dank der Theelacht ausgesprochen.
 
Am 11. April 1984 konnte die traditionelle Frühjahrsausgabe altem Brauch entsprechend durchgeführt werden.
 
R u d o l f  F o l k e r t s  Theelachter und Syndicus.
 
 

 

 

B e r i c h t über den Verlauf der 1100-Jahr-Feier 1984

der Theelacht zu Norden 

Die 1100-Jahr-Feier der Theelacht zu Norden am Sonnabend, dem 15. September 1984, gestaltete sich zu einem großartigen Ereignis für sie selbst und für ihre Heimatstadt Norden.

Der besonderen Bedeutung dieses in der Geschichte des Norderlandes und wohl auch Ostfrieslands einmaligen Jubiläums wurde durch eine Aufteilung der Feierlichkeiten Rechnung getragen: Vormittags fand ein Empfanq in der Theelkammer statt, zu dem "alles. was Rang und Namen hat", eingeladen worden war, und abends traf man sich zu einem Festabend im "Deutschen Haus". gegliedert in einen offiziellen und einen gemütlichen Teil. Im Mittelpunkt standen neben den Grußworten der Gäste die Referate des Niedersächsichen Ministers für Wissenschaft und Kunst, D r . J o h a n n - T ö n i e s C a s s e n s und des Syndicus der Theelacht zu Norden, Theelachter R u d o l f  F o l k e r t s.

Die örtliche Presse hatte sich sehr eingehend mit der Geschichte der Theelacht befaßt: Der "Ostfriesische Kurier" brachte am 14. September 1984 sogar eine Sonderbeilage heraus, die "Ostfriesen-Zeitung" hatte am 13. September 1984 eine Sonderseite gestaltet.

Auch auswärtige Zeitungen berichteten zum Teil recht ausführlich über die Theelacht zu Norden.

Die Berichte über die Feierlichkeiten selbst wurden in der Heimat-Presse ebenfalls besonders herausgestellt

 

 

F e s t a b e n d  i m   " D e u t s c h e n   H a u s"

a m  1 5.  S e p t e m b e r   1 984   u m   2 0. 0 0 U h r

Es war vorauszusehen, daß der Festabend im "Deutschen Haus" zu einem besonderen Ereignis werden würde. Die Theelachter hatten daher in mühevoller Vorarbeit eine Liste derjenigen Personen sowie Vertreter von Verbänden u.s.w. zusammengestellt, die eingeladen werden sollten, und alle waren gekommen, einige sogar von sehr weit her.

Schnell hatte sich der große Saal bis auf den letzten Platz mit erwartensfrohen Gästen gefüllt, so daß der "Älteste Theelachter", G e r h a r d S e e b a, fast auf die Minute Pünktlich die Festfolge mit herzlichen Begrüßungsworten eröffnen konnte.

Dann leitete die " N ö r d e r  D a n z k o p p e l" mit den Tänzen " B u h s k e d i R e m m e r" und " L o t t i s d o o t "

über zu den Reden, die nun einmal zu einem solchen Jubiläum gehören. Es sprachen an diesem Abend:

Bürgermeister C a m p e n   für die Stadt Norden,

Landrat S w i e t e r für den Landkreis Aurich,

Präsident E l s t e r  für die "Ostfriesische Landschaft",

Minister D r. C a s s e n s für die Niedersächsische Landesregierung.

Sie alle stellten nochmals den besonderen Anlaß dieser Veranstaltung heraus.

Bürgermeister C a m p e n versprach, daß die - sogar grundbuchlich gesicherten - Rechte der Theelacht an der Theelkammer in Alten Rathaus auch weiterhin gewahrt bleiben. Er überreichte ein holzgeschnitztes Wappen der Stadt Norden.

Landrat S w i e t e r  sagte zu, sich dafür einzusetzen, daß der Theelacht einer der Anteile überschrieben werde, die der Landkreis Aurich an der "Gesellschaft vom Leegemoor" besitze. Aus der Geschichte der Theelacht zog er den Schluß: "Nur, wer seine Probleme selbst löst, ist stark und frei."

Landschaftspräsident E l s t e r setzte sich mit dem Thema "Tradition" auseinander. Der Sinn ihrer Beachtung werde deutlicher durch das zugehörige Tätigkeitswort "tradeeren": Sein Inhalt bedeute ein übergeben und Weitergeben von Besitz, Können und Wissen an die nachfolgende Generation. Wörtlich sagte er:

"Wenn die Heimat Bestand haben soll, darin müssen wir vorsichtig sein im übernehmen des Modernen."

In diesem Sinne sei auch das seit Jahrhunderten gepflegte Brauchtum der Theelacht zu verstehen.

Minister D r . C a s s e n s  brachte es in seiner Plattdeutsch gehaltenen Rede mit folgenden Sätzen am deutlichsten zum Ausdruck:

"Die Theelacht war in all den Jahrhunderten eine demokratische Form des Miteinanderlebens auf freiheitlicher Grundlage und bei gleichen Rechten. Dieses Gedankengut besitzt Signalwirkung für unser heutiges Demokratieverständnis."

Er zitierte den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer, der einmal gesagt hatte:

"Ein Mensch ohne Geschichte ist ein Mensch ohne Gedächtnis, weder kennt er seine Herkunft, noch vermag er seine Zukunft zu antizipieren."

Tradition ernst zu nehmen, so der Minister, heiße ja nicht, die Asche der Vergangenheit aufzubewahren, sondern die Flamme der Gegenwart zu spüren. Das sichtbare Selbstbewußtsein der Ostfriesen, verbunden mit Gelassenheit und Ruhe, komme nicht von ungefähr. Die Geschichtserfahrung sei eben anders als in den den übrigen Teilen Europas. Hier hätten sich Adel, Bürger und Bauern bereits im 16. Jahrhundert als "Ostfrieische Landschaft" formiert und ein entscheidendes Gegengewicht zur Landesherrschaft gebildet. Symbolisch stehe die Theelacht für zweierlei Erfahrungen:

Daß gemeinsames wehrhaftes Vorgehen gegen den äußeren Feind zur eigenen Freiheit führt, und daß es möglich ist, auf freiheitlicher Grundlage und bei gleichen Rechten jedes einzelnen gemeinschaftliche Interessen zu Pflegen. Diese Erkenntnis unserer Vorfahren habe in ihrer Aktualität nichts an Bedeutung eingebüßt.

Minister D r . C a s s e n s führte weiter aus: Die Theelacht als Gemeinschaft auf genossenschaftlicher Grundlage in Freiheit und Selbstbestimmung habe den Menschen in all den Jahrhunderten vor Augen geführt, daß es Alternativen zum Absolutismus und zum Feudalismus gegeben habe. Heute sei die Theelacht vor allem eine Gemeinschaft, die geschichts- und traditionsbewußt als wichtiger Kulturträger in Ostfriesland wirke.

Die " N ö r d e r D a n z k o p p e l " leitete sodann mit den zwei Tänzen "Wenn hier een Pott mit Bohnen steiht" und dem "Hetlinger Sandrieter" über zu dem F e s t v o r t r a g den Theelachter und Syndicus R u d o l  f  F o l k e r t s in Plattdeutscher Sprache zum Thema 1000 J a h r T h e e l a c h t  t o N ö r d e n hielt.

Seine fesselnden Ausführungen zur Geschichte dieser ältesten bäuerlichen Genossenschaft in Europa wurden mit besonders langem Beifall belohnt.         (Ein Abdruck des Vortrages ist beigefügt.)

Theelachter G e r h a r d S e e b a sprach dem Festredner den Dank der Theelacht aus. Der Ehefrau H e l e n e F o l k e r t s überreichte er einen Blumenstrauß als Anerkennung dafür, daß sie ihrem Ehemann die Zeit gelassen habe, um die umfangreichen Nachforschungen in Archiven u.s.w. durchführen und dann den Vortrag ausarbeiten zu können.

Auch die Verlegerin U r s u l a B a s s e - S o l t a u dankte namens der Festgäste für die Einladung zur Feierstunde.

Danach wurde die Tanzfläche freigegeben für eine lange, schöne und rauschende Ball-Nacht als Abschluß eines gelungenen Festes

 

 
Wichtige Ereignisse auch den Protokollen 1984-2007
 
1981
konnte ein Anteil der Altenburger Landen erworben werden
1985
ein Anteil der Norder Leegmoors-Gesellschaft
1991
Heiko Campen, seit 1975 Theelachter wurde neuer Syndicus, als Nachfolger von Rudolf Follkerts
1992
Seit dieser Zeit werden die Protokolle der Theelacht auf Platt verfasst
1995
13.Oktober würdige Feier der Theelacht zum 1.111 jährigen Bestehen der Theelacht zu Norden in der Theelkammer
1997
Kauf von 2 Hektar Land in Nesse. Der Kauf wurde ermöglicht durch eine Spende der Doornkaat Stiftung
2002
Kauf von 4 ½ Hektar Land in Westdorf. Durch Spenden und einer Kreditaufnahme war diese Möglichkeit gegeben. Sinn und Zweck ist es, die Theelacht auch die nächsten 1000 Jahre zu erhalten, denn die Zahl der Abgabepflichtigen wird immer weniger. Die Grundlagen wurden gelegt durch Vorträge seit 1970 durch die Theelachter Rudolf Folkerts und Heiko Campen, seit vielen Jahren auch durch Remmer Hedemann
2005
Beteiligung der Theelacht an der 750 Jahr Feier der Stadt Norden mit einer öffentlichen Sitzung auf dem Norder Marktplatz. Alle Teilnehmer waren in Frack und Zylinder erschienen und mit Handstock, ein beeindruckendes Bild. Mit von der Partie waren auch die Altenburger Landen und die Leegmoors-Gesellschaft   
2007
Theelachter Gerhard Seeba 50   Jahre Theelachter, ein seltenes Ereignis. Erst der dritte seit 1600